
Die Bachmühle in Vorra ist eine historische Mehl- und Sägemühle, die erstmals 1599 urkundlich erwähnt wurde, als sie von Hans Weber an Hans Friedrich verkauft wurde. Sie ist damit eines der ältesten dokumentierten Gewerbegebäude des Ortes und steht exemplarisch für die lange Mühlentradition in der Region Vorra.
425 Jahre "Bachmühle" in Vorra
Der Vorraer Chronik ist zu entnehmen, dass die Mehl- und Sägemühle namentlich erstmals 1599 auftaucht, als sie von Hans Weber an Hans Friedrich verkauft wird. Dass die Mühle schon Jahre, evtl. Jahrzehnte vorher existierte, beweist ein Blick in den Pfinzing-Atlas. Karte 42 ist eine farbige Federzeichnung "Vorra und Umgebung", die schon um 1596 entstand und am oberen Bildrand eine Mühle mit einem, untergeschlächtig getriebenen Mühlrad zeigt. An der Pegnitz selbst gab es danach übrigens ebenfalls eine Mühle mit zwei Rädern, die spätere "Bronzefabrik".
In den folgenden zwei Jahrhunderten wechselten die Besitzer über fünfzehnmal, sicherlich bedingt durch Hungersnöte, immer wieder auftretende Pestepidemien sowie durch Kriegseinwirkungen. Auch schlimme Unwetter ("erschröckliche Wolkenbrücke mit Hagel und Schlossen") beeinträchtigten den Mahlbetreib. So vermerkt der Chronist u.a. 1702, dass "viele hundert Fuder Steine, Felsen und Sand die Talhänge abgeschwemmt" wurden und 1727, dass "durch wilde Fluten alsbald die Bachmühle ganz über den Haufen geworfen wurde und das Wasser mit Steinen durch Häuser und Städel brach". Auch 1876 riss ein Wolkenbruch ein "haushohes Loch" in den Weg an der Mühle und zerstörte deren Wasserleitung völlig.
Aber die Bachmühle überstand diese Schicksalsschläge ebenso wie den 30jährigen Krieg, verschiedene Einquartierungen und Durchzüge marodierender Soldaten - zuletzt drangsalierten 1796 terrorisierende Franzosen die Bevölkerung.
Als Müllermeister Georg Strobel 1849 nach Amerika auswanderte, kaufte Georg Endres aus Kruppach, der Urgroßvater des heutigen Besitzers, die Mühle. Sie hatte zu der Zeit zwei untergeschlächtige Wasserräder, mit denen ein Mahl- und ein Sägewerk angetrieben wurden; offensichtlich gab es mehr Wasser als heute. Der Bachverlauf führte damals noch mitten durch den Hof. 1893 folgte Sohn Johann Endres. Dieser errichtet einen größeren Wohnhausanbau, da die Familie bislang in zwei Stuben und die drei Mahlburschen in einem Kämmerlein mehr hausten als wohnten. 1919 übernahm er zusätzlich die Stromversorgung für einen Teil Vorras.
Als 1925 ein Wolkenbruch erneut erhebliche Schäden anrichtete, wurde die alte Säge abgerissen, der Bachlauf geändert, ein Stauweiher errichtet und das Wasserrad, diesmal obergeschlächtig, erneuert. Anstelle der vier Mühlsteine für grobes und feines Mehl kamen sog. Walzenstühle; die Arbeit der Mahlburschen übernahmen automatische Rollensiebe.
Adam Endres erbte 1939 die Mühle. Nach dem Ende der Stromproduktion 1952 ersetzte er das Wasserrad durch eine Turbine und erhöhte und vergrößerte den Stauweiher. Die letzte Modernisierung lief 1979/1980 unter der Regie von Sohn Leonhard Endres, der 1969, nunmehr bereits in der 4. Generation, die Mühle übernommen hatte. Es wurden größere Walzenstühle sowie Schüttelsiebe mit zehn Siebflächen eingebaut. Seit seinem Ruhestand im Jahre 1996 stehen die Räder still.
Die Bachmühle war immer eine sogenannte Kundenmühle, d.h. auf Lohnbasis wurde gemahlen und alle Produkte gingen an den Landwirt zurück. Der Müllermeister erhielt z.B. in den 30er Jahren für einen Zentner Getreide vier Reichsmark. Die Bauern kamen dabei aus der ganzen Umgebung, z.B. aus Stöppach, Treuf, Großmeinfeld, Loch und Alfalter. Allerdings wurde es in den letzten Jahren ruhiger, sodass nur noch die mahlen ließen, die selber ihr Brot backten.
Alle Mühlenbesitzer mussten zusätzlich Landwirtschaft betreiben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Was hier so nebenbei geleistet wurde, sieht man z.B. daran, dass noch nach dem zweiten Weltkrieg das heutige Baugebiet "Roter Bühl" von der Familie Endres als Hopfengarten mit etwa 15.000 Stöcken betreiben wurde.
Das Mahl-, Säge- und Fischrecht besteht noch heute.